Montag, 11. Mai 2009

Zum Umgang mit Transsexuellen in der Kirche




Per Mail erreichte mich vor Kurzem eine Anfrage, mal etwas über Transsexuelle in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu schreiben. Überrascht und teilweise überfordert mit der Sensibilität dieses Themas, soll dieser heutige Blogeintrag lediglich ein Versuch und eine Annäherung an dieses Thema sein!

"Transsexualität ist die Überzeugung, der eigene Körper habe das falsche Geschlecht"

Zunächst fünf Punkte:
- Jemand, der transsexuell ist, ist (laut Wikipedia) physisch weiblich, fühlt sich aber dem männlichen Geschlecht zugehörig (oder umgekehrt). Medizinisch bezeichnet man dies als "Geschlechtsidentitätsstörung". Die Ursachen für Geschlechtsidentitätsstörungen sind bislang noch sehr umstritten. Manche Studien gehen von psychischen Ursachen, andere von einer Kombination von physischen Ursachen in der pränatalen Phase und psychischen Ursachen, wiederum andere von hirnphysiologische Ursachen aus.

- Die medizinischen Maßnahmen bestehen aus Hormontherapie, geschlechtsangleichenden Operationen und gegebenenfalls der dauerhaften Entfernung des Bartes durch eine Epilation. Eine Umwandlung oder Ausbildung der primären Geschlechtsorgane ist ausgeschlossen. Bei Transmännern sind die Bildung von Hoden und damit das Erlangen einer Zeugungsfähigkeit nicht möglich. Der Aufbau eines adäquaten männlichen Gliedes ist bezüglich Aussehen, Funktion und Größe noch stark eingeschränkt. Daher verzichten die meisten Transmänner auf diesen Eingriff.

- Viele Staaten wie Deutschland erlauben transsexuellen Menschen, den Vornamen oder die in den Zivilstandsregistern eingetragene Geschlechtsangabe an ihr gefühltes Geschlecht anzupassen. (Aus einem Mann wird dann zivilstandsrechtlich eine Frau, und umgekehrt).

- Bei einer Ehe, wo einer der Ehepartner seinen Personenstand zum anderen Geschlecht ändern will, muss die Ehe laut § 8 Transsexuellengesetz schieden werden, da die Ehe zwischen Mann und Frau laut Grundgesetz unter besonderen Schutz gestellt wird. Doch dieses Prozedere wurde als verfassungsunmäßig erklärt, sodass ein verheirateter Antragsteller daher offiziell sein Geschlecht ändern und dann eine - ansonsten in Deutschland unzulässige - gleichgeschlechtliche zivilrechtliche Ehe führen kann Bis zum 1. August 2009 soll es hierbei noch zu einer Gesetzesänderung kommen.
Operierte Transsexuelle können einen andersgeschlechtlichen Partner heiraten, oder wie Homosexuelle eine Lebenspartnerschaft eingehen.

- StatistikLaut Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität gibt es in Deutschland etwa 58.000 Transsexuelle, also jeder 1400ste ist transsexuell. Bei 38.000 Mormonen in Deutschland, müsste es laut Statistik 27 transsexuelle Mormonen geben.

Nun zum Umgang in der Kirche.

In den meisten Kirchen (außer: Metropolitan Community Church) können Transsexuelle keine Amts- und Lehrtätigkeit ausüben. Dies ging bereits durch die Medien.

Im Kirchenhandbuch der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage steht über Transsexuelle:
- bei Taufinterviews muss vorher der Missionspräsident informiert werden und einwilligen
- Personen, die eine transsexuelle Operation in Betracht ziehen, sollten vorerst nicht getauft werden. Ist die Operation bereits geschieden, kann der Transsexuelle (post-op) nach einem Taufinterview getauft werden.
- Transsexuelle bekommen kein Priestertum und keinen Tempelschein. Zitat: "Such persons may not receive the priesthood or a temple recommend." und "Members who have undergone an elective transsexual operation may not receive the priesthood."
(handbook, Stand: 1998!)
- Kirchenführer sollen sich gegen transsexuelle Operationen aussprechen. Wenn ein Mitglied in Erwägung zieht, solch eine Operation an sich durchführen zu lassen, wird es darüber informiert, dass diese Operation eine formelles kirchliches Disziplinarverfahren mit sich ziehen kann. Bischöfe wenden sich dementsprechend an die Pfahlpräsidentschaft und die wiederum an das Büro der Ersten Präsidentschaft, wenn nötig.
- wenn ein Mitglied aufgrund der freiwilligen transsexuellen Operation ausgeschlossen wird (Exkommunikation, exkommuniziert), muss die Erste Präsidentschaft angerufen werden, falls das Mitglied wiederaufgenommen bzw. wieder getauft werden will.

Transsexuelle Menschen mit medizinischer oder juristischer Geschlechtsanpassung bezeichnen sich oft nicht mehr als transsexuell, sondern entweder als Mann mit transsexueller Vergangenheit bzw. als Frau mit transsexueller Vergangenheit oder einfach als Mann bzw. Frau. Dies sollte bei einer Wiederaufnahme eines Mitglieds berücksichtigt werden.

Eine Sprecherin der Kirche in Utah sagte mal in einem Interview mit washblade.com, dass die Lehre der Kirche besagt, dass Menschen als geistige Wesen vor der Geburt geschaffen werden. Das Geschlecht sei ein Teil der “ewigen Identität,” und notwendig, um in den Himmel zu kommen. Transsexuelle Mitglieder, die sich operieren lassen wollen, erhielten demnach ein Disziplinarverfahren.

Zum Verständnis:
- Transsexuelle, die sich operieren lassen, können nicht im Tempel heiraten, da sie z.B. als "Mann" für die Ewigkeit gesiegelt würden, aber im vorirdischen Dasein eine Frau waren. Dies widerspricht dem ewigen Plan und der ewigen Identität.

Kommentare:

Nathalie hat gesagt…

Hallo!
Ich bin eine gläubige katholische Frau mit TS-Vergangenheit.
Ich bin auch der Meinung, dass das Geschlecht, die Seele, der Geist schon vor der "Beseelung" des Ungeborenen feststehen. Die Prüfung Gottes bestand FÜR MICH (jede/r kann und darf anderer Meinung sein!) darin, den "Missstand" zwischen geistig/seelischem Geschlecht und physischem Geschlecht auszugleichen, mich also operieren zu lassen. Ich habe diese Prüfung bestanden, bin durch die Hölle gegangen, und bin jetzt überzeugt, meinen Platz als vollwertige "normale" Frau im Himmel zu haben. Gott ist stolz auf mich, dass ich seine Prüfung positiv abgeschlossen habe :-)
Beste Grüße,
Nathalie

Gerlinde hat gesagt…

Hallo, mein Name ist Gerlinde, und ich war bis 1992 ein Mitglied der kirche, und wurde wegen Transsexualität (Mann-zu-Frau) ausgeschlossen.
Vier Bischöfe sagten mir, dass ich nie wieder getauft werden könnte, außer, ich würde "bereuen", und alle Schritte wieder rückgängig machen.
Die von Ihnen zitierten Passagen aus dem Church Handbook of Instructions (Volume 1), scheint mir von viel Ignoranz und Unwissenheit über die menschlische Pysche und die Entstehung der geschlechtlichen Identität geprägt zu sein. ich schreibe übrigens dazu gerade einen Artikel, und weise nach, das die Kirche in der Frühzeit einen viel lockeren Umgang damit hatte. Ich sage nur Brigham Morris Young, aka Madam Pattirini.

Anonym hat gesagt…

In der Neuapostolischen Kirche ist es Gott sei Dank toleranter!
Ich finde es traurig,das man Transsexuelle gegen Intersexuelle sozusagen ausspielt;denn das Wichtigste ist die eigene Identität!
Jeder sollte mal nachdenken,wie er sich fühlen würde,wenn sein Körper nicht zu seiner Identität passen würde!!!Gerade Christen sollten darüber mal nachdenken;keiner ist dran schuld wie er empfindet;aber es ist eine Schande,das schon viele transsexuelle Menschen in den Tod getrieben wurden!!!Ich habe den Eindruck,das manche Kirchen freundlicher sind zu einem Mörder,als zu einem transsexuellen Menschen...traurig,aber manche verhalten sich gegenüber Transsexuellen extrem bösartig;als wären Transsexuelle der letzte Dreck oder gemeingefährlich